Bald, am 9. November jährt sich der
Fall der Mauer zum 15. Mal. Eigentlich hätte ich für einen solchen Artikel auf Anfang November warten sollen, doch
Spreeblick inspirierte mich eben erst vor kurzem dazu.
Am
9. November 1989 war ich noch keine 10 Jahre alt, mein 10. Geburtstag
sollte erst einige Tage später folgen. Aber ich erinnere mich noch gut
daran, in einer Zeitung Bilder von auf einer Mauer tanzenden Menschen
gesehen zu haben. Begreifen, was der Mauerfall wirklich war, bedeutete,
auslöste, sollte ich erst etwa zwei Jahre später. Der Mauerfall ist das
zweite ausländische politisch-historische Ereignis, an den ich mich in
meiner Kindheit erinnern kann; das erste, an das ich mich erinnern
kann, war das
Tian'anmen-Massaker vom 4. Juni 1989 in Peking, China. Doch nun zurück zum Mauerfall.
Ich
glaube, ich habe bis heute nie wirklich begriffen, was beim Mauerfall
wirklich ablief, und werde es vielleicht auch nie begreifen, denn ich
war damals nicht alt genug es zu begreifen und ich war auf diese Art und
Weise eben nicht dabei. Aber Spreeblick hat dieser Tage einen
ausserordentlich interessanten und aufschlussreichen dreiteiligen
Artikel verfasst, den man so nie in Geschichtsbüchern finden wird. Es
ist die subjektive Sicht eines Berliners, und es ist das erste Mal,
dass ich von einem derartigen Erfahrungsbericht vom Mauerfall erfahre.
Spreeblick zeigt auf eine erhellende Art und Weise, dass der
Mauerfall nicht direkt kausal durch die inneren Spannungen des Landes,
respektive durch das kommunistische Regime geschah. Ich sage jetzt
nicht, die inneren Spannungen seien belanglos gewesen, sondern nur, sie
waren nicht der direkte Auslöser dafür. Die inneren Spannungen waren
nur mehr der vorangehende Pass zum Tor.
Kausal dagegen waren,
wie Spreeblick schreibt, eine "
eine im Grunde dilettantische Mischung
aus schlecht vorbereiteten
SED-Mitgliedern und der Schnellinterpretation der Radio- und
TV-Medien". Dies hatte dann zur Folge, dass "ab etwa 23 Uhr die völlig
überforderten und
uninformierten Grenztruppen dem Andrang der Massen nicht mehr
standhalten konnten". Als ich das las, dachte ich: Mensch, wow. Die
schlechte Kommunikation lässt einen ganzen Staat
nur einige Monate später (Spreeblick datiert die Sendung auf "Gegen
Ende des Sommers 1989") zusammenbrechen? Ja. Nein.
Nein, denn da gab es noch etwas vorher, nämlich den Pass zum
entscheidenden Spieler, der das Tor schoss. Kommunikation muss jeweils
aus der Geschichte heraus betrachtet werden und umgekehrt. Ohne das
Wissen, was vorher passiert ist, und ohne das geschichtliche Wissen
kann man keine gute Kommunikation machen; das gilt auch für die
Politik. Ohne Geschichte gibt es keine gute Politik, auch wenn es immer
wieder Politiker gibt, die historische Fakten schlicht ausblenden oder
gar verdrehen. Womit wir wieder bei der Unzufriedenheit der DDR-Bürger wären. Auch hiervon gibt Spreeblick viel her, jedenfalls in den Kommentaren.
FMat schreibt hier eine Anektote, der die damaligen Verhältnisse, mal von den Stasis abgesehen,
plastisch beschreibt. Diese Probleme und viele weitere andere Probleme führten dazu, dass die DDR in sich zusammenfiel, den letzten Ruck dazu gab die "dilettantische Kommunikation und die Schnellinterpretation der Medien".
Zurück zu Spreeblick: Die geschilderten Eindrücke sind in drei Artikel verfasst:
vor dem Fall der Mauer,
während dem Mauerfall und kurz danach die Erlebnisse
nach dem Mauerfall.