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1. August: ohne diesen Tag gäbe es die Schweiz nicht

Alljährlich zum ersten August amüsiere ich mich, immer wieder auf das Neue. Da schwingen Politiker von links und rechts Reden über die Schweiz, Ihrer Gründung und - seit den letzten Jahren sehr aktuell - die Neutralität der Schweiz. Aber es geht sogar weiter, auch Nichtpolitiker drücken Ihren Patriotismus aus, in dem sie Flaggen der Schweiz kaufen und im Wind wehen lassen oder sogar erpicht "patriotische Lebensmittel" kaufen.
Nein, darüber amüsiere ich mich nicht, sondern darüber, auf welchem historischen Irrtum wir doch aufsitzen, die uns Politiker immer wieder wiederkäuen! Die Schweiz wurde nämlich weder an einem 1. August noch 1291 gegründet. Der Höhepunkt der Ironie findet sich darin, dass der 1. August sogar erst seit 1994 Bundesweit ein Arbeitsfreier Tag ist, nachdem sich die Schweiz - wie anders sonst? - 1993 an der Urne für die Volksinitiative entschieden hat.

Vielleicht vorweg, bevor ich in die Tiefe gehen werde: Ich kann mich auf keine Quellen berufen; ich schreibe vor allem aus meiner Erinnerung aus einer früherem verschiedenen Artikel (u.a. der Wochenzeitschrift "Magazin" des Tages-Anzeigers) und einer oder zwei Vorlesungen zur neueren Verfassungsgeschichte an der Universität Zürich. Vereinzelt habe ich im Internet einiger Quellen bedient, um das Gedächnis etwas stüzen zu können. Am Ende des Artikels sind die Quellen (und einige weitere, nur überflogene Texte) aufgelistet. Wer Quellen, Anmerkungen, Fehlermeldungen und andere Hinweise hat, soll mir dies bitte via Kommentar mitteilen.

Der Mythos von 1291

Um den Mythos von 1291 verstehen zu können, müssen wir ironischerweise zunächst ins 19. Jahrhundert. Die Schweiz hatte nämlich nach dem Sonderbundskrieg vom 3.-29. November 1847 eine schwere Hypothek zur Staatsgründung, da damit ein Konflikt zwischen den Religionen (Katholiken/Jesuiten versus Protestantismus) und den Machtgefälle zwischen Stadt und Land (Liberalismus kontra Konservativismus) ausgefochten wurde. Dieser Krieg wurde von den Innerschweizer Kantone verloren.
Am 12. September 1848 gab sich die Schweiz ihre erste Bundesverfassung, mithin wurde auch dder Schweizer Bundesstaat, wie wir ihn heute kennen, gegründet. An und für sich müsste deshalb der 12. September der Nationalfeiertag der Schweiz sein. Doch durch diesen Krieg und die Tatsache, dass die Innerschweizer Kantone bis heute die Schweizer Bundesverfassung nie angenommen haben - weder 1848 noch 1874 noch 2000 - konnte natürlich ein 12. September für einen Staat mit den vier verschiedenen Kulturen sowie eine lange und turbulente Geschichte als Staatenbund, Zentralstaat (während der Helvetik unter Napoleon) und ebendiesem Bürgerkrieg nur schlecht Identitätsstiftend sein. Kommt dazu, dass in der Bundesverfassung noch lange Zeit einen Artikel existierte, der Jesuiten aus der Religionsfreiheit ausschloss - das stiess mehreren Kantone sauer auf.
Der Bundesrat hat Anfangs des letzten Jahrhunderts feststellen müssen, dass die Schweiz unbedingt einen stärkeren Zusammenhalt, eine stärkere Identität braucht. Dafür setzten sie viele Massnahmen ein, unter anderem diesen 1. August.

Der Bundesbrief

Der Bundesbrief von 1291 wurde sozusagen gefunden, weil man ihn finden wollte - er ist in Tat und Wahrheit für die Staatenbildung ein völlig unbedeutendes Dokument, das sogar auf ein noch älteres (nicht erhaltenes Dokument) verweist. Die alte Eidgenossenschaft war ursprünglich ein Staatenbund, das heisst, es gab kein eigener Staat, wenn man von den Kantonen einmal absieht. Die Kantone verbündeten sich, es bestanden also Verträge. Im 12. und 13. Jahrhundert (und meiner Erinnerung nach eventuell sogar noch früher) bestanden viele solche Dokumente, Wikipedia nennt deren 82. Warum man ausgerechnet dieses Dokument nahm, weiss ich nicht genau, so weit ich mich aber aus der Vorlesung erinnere, war eigentlich die Auswahl mehr oder weniger zufällig und war ungefähr in der Mitte des Zeitraums, aus der die Historiker die Dokumente zur Verfügung hatten.
Ein weiterer Grund für den Blick in die Vergangenheit war der Tell-Mythos. Das passte nämlich auch gleich wunderbar zusammen obwohl der Mythos vor allem durch das 1804 von Friedrich Schiller geschriebene Schauspiel bekannt wurde. Mit anderen Worten, der Bundesbrief war nichts Anderes als ein gefundenes Fressen für unsere damaligen Politiker, die die Schweiz mehr Identität verleihen wollten - was zum Glück gelang.

Die Neutralität

Dies ist ein Thema für sich, ich erwähne es aber, weil in den letzten Jahren wiederholt Reden über die Neutralität gehalten wurden. Man sei stolz auf die Neutralität, man solle sie immer wahren, es sei eine urschweizerische Tradition, hört man immer wieder.
Urschweizerisch? Ja, wie Urschweizerisch kann denn etwas sein, das uns 1815 am Wiener Kongress aus Geo- und Wirtschaftspolitischen Gründen nach der Niederlage Napoleons in der Schlacht von Waterloo uns aufgezwungen wurde? Nachdem die von Napoleon aufoktroyierte Helvetische Republik, die nie wirklich funktionierte, mit seiner Niederlage in Waterloo ganz zusammen fiel, wurde am Wiener Kongress von 1815 unter der Leitung von Fürst von Metternich beschlossen, dass das Gebiet, das vorher unter Napoleon die helvetische Republik war, ein eigenes autonomes Gebiet sein sollte - wenn es dafür die "immerwährende Netralität" bewahre. Hintergrund dieser Idee war, dass man nach den Erfahrungen Napoleons einerseits gesehen hat, dass dieses Gebiet schwer zu kontrollieren ist, da deren Bürger zu wenig unterwürfig waren (insofern mag die Freiheitsliebe der Schweiz wohl schon seit sehr langem zutreffen), andererseits hat man auch gesehen, dass dieses Gebiet militärisch durch seine Topologie nur schwer zu erobern war. Trotzdem konnte das Gebiet aus wirtschaftlichen und geopolitischen Gründen keinem kalt lassen: Das Gebiet war schon damals für den Verkehr Nord-Süd und Ost-West bedeutend.
Die Neutralität der Schweiz kam aber auch der Schweiz sehr gelegen, weil die Schweiz es stets verstand, ihre Neutralität auszunutzen. Die Schweiz war historisch gesehen noch nie wirklich neutral, sondern nur dann, wenn es in ihren Interessen gelegen hat. Gut zu beobachten war dies im zweiten Weltkrieg, wo sich die Schweiz zwar Mühe gab, neutral zu sein, aber eben auch nur dann, wenn es ihren Interessen diente. So waren auch Geschäfte mit den Nationalsozialisten wie auch mit den Kommunisten oder den Westmächten möglich -- aus purem Eigennutz. Dasselbe wiederholte sich während dem gesamten kalten Krieg bis 1991. Auch heute, im Israel-Libanesischen Krieg ist dasselbe wieder zu beobachten. Israel hat von der Schweiz Kriegsmaterialien gekauft, weswegen der Bundesrat keine klare Kritik gegen Israel anbringen will (ob das Vorgehen Israels als positiv oder negativ zu bewerten ist, darüber will ich keine Äusserung machen).

Um es klar zu stellen: Ich bin zwar nicht sehr patriotisch, aber ich bin auch nicht gegen den 1. August. Denn ohne Ihn (bzw. unter anderem...) gäbe es die Schweiz nicht! Aber sich über die Ironie amüsieren darf man sich doch, oder?

Quellen:
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Kritik an Bush wird immer lauter

Gemäss immer häufiger auftretenden Medienberichten wird die Kritik an US-Präsident Bush immer lauter. Die einen werfen ihm systematisches Versagen auf dem Gebiet des Katastrophenmanagement vor, dia anderen, vor allem benachteiligte Bürgergruppen wie namentlich die schwarze Bevölkerung von New Orleans, werfen ihm vor, nur für die reichen gehandelt zu haben, während ihm die benachteiligten Gruppen wie gebrechliche und Menschen mit schwarzer Hautfarbe gleichgültig seien.

Hintergrund ist u.a., dass Bush noch am letzten Freitag zwischen den Rettern lief und sogar gescherzt haben und Erinnerungen über die Stadt erzählt haben soll. Wer als Politiker einen solchen Auftritt in der Öffentlichkeit macht, darf nicht wundern, dass er auch mit dem besten Public Relations Management nicht mehr viel Imageschaden abfedern kann. In einer solchen Situation, hätte er vor allem Handeln und nicht einfach inmitten der Strassen wandeln müssen. Dies gilt erst recht in den USA, wo Bush nach dem 9/11 versprochen hat, ein besseres Katastrophenmanagement einzurichten - das nun erneut kläglich gescheitert ist. Ich staune, dass ein Land, das fähig ist, auf der anderen Seite der Erde Kriege zu führen, nicht einmal vor seiner eigenen Haustüre adäquat handeln kann. Es würde mich nicht wundern, wenn dies allen Amerikanern so ergehen würde. Präsident Bush dafür zu Rechenschaft zu ziehen, dürfte sehr schwierig sein, ferner befindet sich dieser Präsident in seiner zweiten Amtszeit; er kann also ohnehin nicht mehr wiedergewählt werden.

Es gibt aber bereits Stimmen, die darauf hinweisen, dass im nächsten Jahr wieder Kongresswahlen sein werden, und die Republikaner womöglich dank dem Imageschaden Bushs eine Niederlage erleiden werden.


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Leuenberger über niedergerissene Hemmschwellen

Der SP-Bundesrat Leuenberger gab dem Tages-Anzeiger ein schriftliches Interview, das auch auf seiner eigenen Homepage der UVEK zu finden ist. Dort liest man von "niedergerissenen Hemmschwellen", die zum Rütli-Eclat geführt hätten. Leuenberger sagt indirekt sogar, wer in concreto schuld sei.

UPDATE: rethorik.ch, eine Homepage der Knill+Knill Kommunikationsberatung, analysiert die Vorfälle auf dem Rütli und gibt Blocher einen Tipp. Zum Artikel...
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SVP Luzern verteidigt Rütli-Beleidigungen

Gerade eben wollte ich damit beginnen, einige Recherchen über die Beleidigungen gegen den Bundespräsidenten Samuel  Schmid (SVP) während seiner 1. Augst-Rede auf dem Rütli anstellen, da lese ich via RSS, dass ignoranz.ch bereits einen sehr guten Artikel publiziert hat. Bitte lesen Sie den Artikel von ignoranz.ch mit dem sinnigen Titel "Primaten auf dem Rütli und die SVP verteidigt sie"!

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Mit Blogs gegen Zensur im Iran

Nicht immer und überall sind Medien frei, selbst in der Schweiz gibt es - auch wenn nur im sehr kleinen und fast vernachlässigbarem Massstab - Zensur.

Aber zu den Extrembeispielen, wo die Zensur herrscht, dürfte sicherlich das theokratisch-diktatorisch regierte Iran gehören.

Unter dem Eindruck der Attentate vom 11. September 2001 hat ein iranischer Staatsangehöriger, der in Kanada studiert, einen Webblog veröffentlicht - und damit eine mediale Revolution im Iran ausgelöst. Weitere und vertieftere Informationen darüber gibt es in diesem Artikel:

http://www.zeit.de/2005/25/IranInternet
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Lies of Silence (Candada, 1990)

http://photos15.flickr.com/19099965_53564609a1_o.jpg

Lies of Silence ist eine Mischung zwischen einem Roman, Thriller und einer Novelle; letzteres trifft am ehesten nicht zu, da das Buch eine eher zu lange Geschichte erzählt. Doch man kann sich darüber streiten, ob es sich um einen Thriller oder um einen Roman handelt.

Michael Dillon ist ein Hotelmanager in Belfast, Irland. Er wird eines Nachts zusammen mit seiner Frau Moria über Nacht von freiwilligen Soldaten der Irish Republic Army festgehalten. Diese Soldaten zwingen ihn, mit seinem Auto mit der Autobombe drin zu seinem Hotel zu fahren. Ziel ist offensichtlich ein bekannter protestantischer Reverend. Dillon entscheidet sich, die Leute im Hotel zu alarmieren und das Leben seiner Frau zu riskieren, die im Haus zurückbleiben muss.

Das Buch ist vielschichtig aufgebaut; das Hotel und die Leute im Hotel sind nicht die einzige Sorge von Dillon. Er steht auch im Konflikt mit seiner Frau - und nicht nur der Bombe wegen, sondern auch, weil er nicht sie, sondern eine andere Frau liebt. Brian Moore hat den Roman so geschrieben, dass die einzelnen Charaktere sehr stark hervorgehoben werden, während er auch die Spannung eines Thrillers zelebrieren lässt. Des weiteren hat er mit verschiedenen Namensgebungen (so z.B. "Moira", was von griechisch auf Deutsch übersetzt "Schicksal" bedeutet) interessante Gedankenspiele geschaffen.

Schliesslich soll auf die Aktualität verwiesen werden. Der Konflikt in Northern Ireland dauert noch immer an. Dieser Konflikt hat eine lange Geschichte, die bis in das 12. Jahrhundert zurück reicht. Heute noch sind Bemühungen im Gange, den Konflikt friedlich über die Diplomatie zu lösen, doch gerade die Partei Sinn Fein hat insbesondere den so genannten McCartney-Schwestern deutlich signalisiert, dass sie auch nach dem Mord an Robert McCartney sich nicht scheuen werden, weiterhin mit Gewalt zu operieren. Sie haben nicht nur der Familie angeboten, die Verantwortlichen des Mordes zu liquidieren, sondern sie haben auch der Familie öffentlich gedroht, falls sie in die Politik einsteigen würden.

Brian Moore (1921-1999) war ein Irisch-Kanadischer Schriftsteller. Geboren in Belfast, erlebte er das Irische Bildungssystem, gegen das er eine tiefe Abneigung entwickelte, da die körperliche Züchtigung und die starke religiöse Prägung der Schulen ihn anwiderte; eine Tatsache, die sich immer wieder in seinen Romanen wiederspiegelte, so auch in Lies of Silence. Er emigrierte 1948 nach Kanada, wo er für die Montreal Gazette zu schreiben begann. Ab 1959 wohnte er in Malibu, Kalifornien, USA, wo er bis zu seinem Tode blieb.
Brian Moore wurde dreimal für den Booker Prize nominiert.
Er starb 1999 an einer Lungenkrankheit.
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