Das
Wiki zur Blogethik ist unter anderem durch
Matthias im Blog von blog.ch in die Kritik geraten. Meiner Meinung nach ist Matthias' Kritik zum Teil recht zu geben.
medienpraxis.ch hat bereits eine
Antwort zur Kritik gebloggt.
Ich kann mich zum grössten Teil der
Antwort von medenpraxis.ch anschliessen, doch möchte seine
Argumente selber kommentieren:
Matthias:
"Ich fand es etwas merkwürdig, wie uninformiert (man kann es auch
unvoreingenommen nennen, kommt aufs gleiche raus) an die Sache
herangegangen wurde. Die Ethik-Diskussion läuft immerhin bereits seit Jahren.
Auch Meta-Diskussionen um Sinn, Unsinn, Nutzen und Zweck solcher
Diskussionen bzw. der daraus resultierenden Richtlinien sind beileibe
nicht neu. Aber in den beteiligten Blogs wurde so darüber geschrieben,
als sei das eine brandneue Sache; offenbar hatte sich niemand über die
bisher erarbeiteten Resultate informiert. Gerade die
Ethik-Meta-Diskussionen wären eine sehr lehrreiche Lektüre gewesen und hätten wohl den grössten Teil dieses Postings überflüssig gemacht.
Immerhin
sind nach einiger Zeit im Wiki Hinweise auf Rebecca Bloods Standardwerk
und auch einige andere massgeblichen Texte aufgetaucht. Immerhin.
"
Tatsächlich gingen wir mit relativ wenig Wissen an dieses Thema heran.
Das Ziel war jedoch meiner Meinung nach auch, möglichst viel Wissen zu
diesem Thema zusammen zu tragen,
bevor man zu diesem Thema
schlüsse daraus zieht. Ich möchte hiermit auf die
Blogkommentare
bei medienpraxis.ch hinweisen, die relativ klar die Entstehungsgeschichte des Wikis und der
Idee aufzeigen. Die Idee konkret angestossen hat vor allem Christian Schenkel, der unter
eDemokratie.ch bloggt.
Ich teile auch nicht die Ansicht, dass die Idee als eine "Brandneue
Sache" verkauft wurde, denn aus diesen Kommentare geht bereits hervor,
dass offensichtlich bereits Ansätze für eine deutschsprachige Blogethik
vorliegen.
Vielleicht hat es aber tatsächlich ein Missverständnis gegeben, worauf auch medienpraxis.ch in seiner
Antwort,
dass möglicherweise "
tatsächlich falsch kommuniziert"
worden sei,
hinweist: Nämlich, dass das Wiki mehr ein Versuch ist, über die
Blogethik zu diskutieren. Die Diskussion über das "wie" wurde denn auch
bereits in den ersten Tagen lanciert, denn relativ schnell wurde nach
Vorschlägen von einigen
Bloggern und einigen Kommentatoren im Wiki auch klar, dass man sich auf
höchstens 12 Punkte beschränken soll, und auch auf gesetzliche
Grundlagen wurden hingewiesen.
Leider sind bereits viele Kommentare
nicht mehr auffindbar, aber vor allem zum Ruf nach den gesetzlichen
Grundlagen habe ich selber beigetragen, was u.a. indirekt auch bei
gebsn dokumentiert wurde. (BTW: Kann mir jemand sagen, was mit diesen Kommentare passiert ist?
--> UPDATE: Ich habe mich geirrt,
es wurden keine Kommentare gelöscht. Ich Schussel habe nur den Link nicht mehr gefunden... ich möchte mich hiermit bei allen für meinen
Irrtum entschuldigen!)
Matthias:
"Es ist nett, zu so einer Diskussion persönlich eingeladen und mit extra special
Logindaten versehen zu werden, die mir mehr Rechte geben als dem
Normalblogger. Das schmeichelt dem Ego, man fühlt sich endlich in der
Stratosphäre der A-List-Blogger etabliert.
Aber gleichzeitig ist dieses Vorgehen leider, leider,
intransparent und elitär. Es kann doch nicht sein, dass ich und einige
wenige handverlesene Mitblogger mehr Rechte haben als andere.
Es verwundert dann schon fast gar nicht mehr, dass einige Seiten nur mit dem extra special login lesbar sind: Punkt 3 und 4 im Projekt Blogethik - Menü führen den Normalblogger zu einem rüden Du bist nicht berechtigt, diese Seite zu lesen. Autsch.
Also, Leute: Blogs sind ein verteiltes Medium, in dem jeder und jede dieselben Rechte hat. Wenn die Blog-Ethik-Diskussion
nicht nach diesen Spielregeln erfolgt, wird sie ad absurdum geführt.
Und ich verzichte ich dankend und leichten Herzens auf eine Teilnahme."
Ich
wurde selber in die Diskussion eingeladen, ich fühle mich aber
überhaupt nicht als "A-List-Blogger", bin ich doch erst seit Juni 2005
in der Blogsphere. Und im Gegensatz zu Matthias empfand ich es auch
nicht als "dem Ego" schmeichelnd, in einem solchen Wiki mit zu
arbeiten, sondern nur als logische Fortsetzung der Diskussion. Ich
hatte sogar vor der Ankündigung, ein Wiki zu eröffnen, angekündigt, eine Recherche über Blogethik zu betreiben.
Dass ein solches Wiki ausgewählt wurde, in dem einige Mitblogger mehr
Rechte haben als andere, fand ich ebenfalls von Anfang an unglücklich.
Ich fand und finde jedoch, dass diese Gelegenheit besser sei als gar
keine. So lange wir keine besseren Ort zur Verfügung haben, um dieses
Thema zu diskutieren, finde ich, sollten wir es auch mit diesem Wiki
tun. So bald etwas besseres zur Verfügung steht, sollten wir
selbstverständlich wechseln. Vor allem der Punkt, dass die Entwürfe 1
bis drei (wobei nur im Entwurf 1 geschrieben wurde, in den Entwürfen 2
und 3 stand nichts, wobei mittlerweile Entwurf 2 im Zentrum der
Diskussion steht)
UPDATE: Kurz vor der Veröffentlichung des vorliegenden Artikels habe ich
erfahren, dass eDemokratie.ch ein solches Forum veröffentlicht hat, das unter http://edemokratie.ch/blogcodex/ zu finden ist. Ich möchte Christian Schenkel an dieser Stelle herzlich danken!
Matthias:
"Ethik kann nicht in Listen erfasst werden! Regelwerke, wie sie im Wiki gerade entstehen, sind unbrauchbar. Katechismus nein danke.
Was
es wirklich braucht -wenn überhaupt, diese Frage ist völlig offen- sind
einfache, handfeste Leitplanken für das persönliche Bloggen.
Letztendlich nichts weiter als der ganz normale gesunde Menschenver-
und Anstand."
Es
stimmt, Matthias, dass Ethik nicht in Listen erfasst werden können.
Ferner stimmt es auch, dass ethische Richtlinen bereits aus dem
gesunden Menschenver- und Anstand entspringt. Doch diese beiden
Argumente sind aber meiner
Meinung nach viel zu einfach. Mit diesen beiden Argumenten könntest Du
jedes Gesetz überflüssig machen, à la: "Den Artikel 112 StGB für Mord
brauchen wir nicht, denn dass man das nicht darf, sagt schon der
gesunde Menschenver- und Anstand... und was strafbar ist bzw. sein
sollte, das kann man gar nicht in einer Liste erfassen..." Hier sieht
man auch, dass die beiden Argumente zwar stimmen, aber trotzdem muss
man a) eine solche Liste machen (nur schon um dem
Art. 1 StGB, dem Grundsatz
nulla poena sine lege
zu genügen) b) nicht nur dem Menschenverstand überlassen, da viele
Probleme später eben nicht mehr einfach so damit bzw. für die meisten
nicht mehr einfach so zu lösen sind.
Darüber hinaus lohnt es sich meiner bescheidenen Meinung nach,
durchaus, mal ernsthaft und miteinander über Blogethik nachzudenken und
auch gesetzliche Grundlagen klar zu wiedergeben, um Klarheit zu
schaffen, was eigentlich erlaubt ist und was nicht. Ausserdem: Hast Du
einen besseren Vorschlag als eine solche Liste? Falls ja, dann schreibe
diesen Vorschlag bitte
in das Forum von eDemokratie.ch
Matthias:
"Und man möge mir Zynismus vorwerfen, aber solche
Diskussionen dienen erfahrungsgemäss vor allem dem Status und dem
Technorati Linkrank."
Ja, ich zum Beispiel werfe Dir Zynismus vor, aber insofern, als dass Du
mit dieser Kritik bestimmt wieder Deinem Linkrank etwas verbessert
hast, nicht? Wenn Du jeweils so argumentieren willst, dass man eine
Diskussion nicht starten dürfe, weil man damit den Linkrank erhöhe,
dann solltest Du wohl konsequenterweise lieber nicht bloggen.
Ich finde die Diskussion über den Linkrank (v.a. auch um die Top
100-Swiss-Blogger)
hat ein Gewicht erhalten, das masslos übertrieben ist. Ich kann
nicht nachvollziehen, warum der Linkrank so furchtbar wichtig sein
soll; für mich hat die Top-100-Liste bestenfalls einen Unterhaltungswert und
mehr nicht.
Und was mich selber betrifft: Ich hätte nie gedacht, dass ich mit meinem
Bewertungsversuch
so hohe Wellen schlagen würde; denn mein Ziel war es lediglich, die
Affaire um die Blogartikellöschung von ignoranz.ch nicht so rasch in
Vergessenheit zu geraten lassen und hoffte, dass es noch ein weilchen
ein Thema bleiben könnte. Ich vermute, mich wird man in einigen Monaten
auch kaum mehr einer mehr kennen, und mir wäre das auch Wurst. Es gibt also tatsächlich Leute, die offenbar nicht an den Linkrank denken!