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Barfuss durch Hiroshima 1

Eigentlich wollte ich dieses Wochende wieder mal eine Rezension schreiben. Doch ich komme aus Zeitgründen nicht dazu. Aber als ob ich das bestellt hätte, publiziert nja eine Rezension, die wirklich lesenswert ist. Ich kenne das Buch nicht, aber ich habe auch schon anderswo positive Kritiken über diesen Comic lesen können.
Passend dazu empfehle ich eines der ohnehin immer sehr lesenswerten Tischgespräche. In diesem wird auch den Comic aufgegriffen.
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Was darf Meinungsfreiheit?

Mit anaximander habe ich eine sehr interessante Diskussion begonnen. Zufällig wurde dieses Thema auch im Magazin des Tagesanzeigers ebenfalls diskutiert und spiegelt genau das wider, was ich in den knappen Zeilen auf der Seite von Side Effects bereits habe ausdrücken wollen. Worum geht es denn eigentlich?

Ich habe grundsätzlich zur Diskussion gestellt, inwieweit eine Karikatur, die ein zentrales Element der Religion lächerlich macht oder angreift, einen Angehörigen dieser Regligion beleidigen könne. Geht diese Beleidigung so weit, dass man sagen muss, dass es die Persönlichkeitsrechte des Einzelnen verletzt und damit in Schranken der Freiheit zu weisen ist? Ich weiss es nicht, aber ich bin eindeutig der Ansicht, dass man genau das international diskutieren muss. Ich meine jetzt nicht nur die Karikaturen von Mohammend, nein. Es gibt auch Bilder, ja sogar brutale Filme, die Juden in abrundtiefster Weise darstellen und beispielsweise in Saudi-Arabien gezeigt werden (Quelle: 10vor10). Eine Filmszene zeigte etwa eine rituelle Schlächtung eines vielleicht etwa 10-jährigen Jungen in brutalster und bestialischer Weise (man sah Blut, hörte die Schreie und das Flehen des Jungen). Zeichentrickfilme, die offenbar eindeutig Kinder zur Zielgruppe haben, zeigten Selbstmordattentäter, die in heroischer Weise auf eine Karawane von Juden sprangen. Eine weitere Szene persifilierte Maria und Joseph im Stall von Bethlehem nach Christis Geburt. Alle drei wurden als Tiere gezeigt, unter anderem als Affen und als für Muslime als unrein geltende Schweine.

Ich muss vielleicht vorausschicken, dass ich Atheist bin. Mich berühren all diese Dinge nicht in religiöser Weise, sondern in der Art und Weise, wie über andere Religionen gedacht wird. Dass Maria und Joseph als Tiere dargestellt werden, ist mir wurst, so lange dies als Witz bleibt und nicht ernsthaft propagandiert wird. Aber bei der Schlächtung eines Jungen wird suggeriert, dass Juden brutale Menschen seien und beim Zeichentrickfilm handelt es sich um pure Propaganda. Und da liegt das Problem.

Aber auch in Karikaturen steckt oft ein Körnchen Wahrheit, oder wenn man so will, auch ein Körnchen Propaganda. Insofern sind, objektiv betrachtet, auch "unsere" Karikaturen Mohammeds nicht ganz unbedenklich. Zudem habe ich bereits in der Antwort an anaximander betont, dass man unter Umständen auf die Zielgruppe Rücksicht nehmen muss. Die Frage stellt sich natürlich, worauf man denn hier abstützen will?
In einem berühmten Urteil (PDF, siehe S. 22) des Zürcher Obergerichts um den Fall "Rolf Knies neueste Elefantennummer" wurden drei Journalisten vom Vorwurf der Beschimpfung freigesprochen, von der Vorinstanz (Bezirksgericht) jedoch verurtelt (vgl. letzter Absatz). Das Urteil wurde, so weit mir bekannt, nicht weitergezogen, weshalb der Freispruch gültig ist. Aber gerade diese zwei verschiedene Urteile belegen, dass ein solches Urteil sehr schwer zu fällen ist, und dies, obwohl die Klage strafrechtlicher und nicht zivilrechtlicher Natur war. Das Strafrecht ist notwendigerweise (Stichwort: nulla poena sine lege - keine Strafe ohne Gesetz, auch Art. 1 StGB) viel klarer reglementiert als das Zivilrecht (Art. 30 ff. ZGB). Und trotzdem war die Klage offensichtlich nicht Aussichtslos, auch wenn es sich um zwei prominenten Personen handelten, die eher noch als eine private, anonyme Person mit einer entsprechenden Nennung in einer Satire auftauchen dürfen, die sogar Ehrverletzend sein könnte.
Wie auch immer, es handelt sich beim Fall des Elefantennummer-Cartoons um eine Güterabwägung. Ist die Meinungsfreiheit im Interesse des öffentlichen Interesses stärker zu gewichten oder das Interesse eines einzelnen? Dies ist aber nicht ganz mit unserer Problematik zu vergleichen, da wir von Angehörigen einer Regligion sprechen. Mit anderen Worten, wir sprechen nicht nur von einem oder zwei Individuen, die sich betroffen fühlen könnten, sondern von vielen, von Angehörigen einer Regligion, von tausenden oder gar millionen von Menschen. Erhält die Thematik dadurch ein anderes Gewicht?
Meine Meinung ist die, dass wenn es ein öffentliches Interesse gibt, dass es auch ein öffentliches Interesse für Minderheiten, oder vielleicht auch etwas anders betrachtet, ein öffentliches Interesse für Gruppen gibt, die in der Mehrzahl nicht in der Schweiz leben. Ein solches Konstrukt gibt es bereits im Antirassismusgesetz. Bekanntlich stellen beispielsweise Juden oder Armenier in der Schweiz eine grosse Minderheit dar, jedoch hat diese Gruppe ein grosses Interesse national und international verteidigt zu werden.

Für mich ist eine internationale Diskussion über diesen Sachverhalt deshalb unvermeidlich. Offenbar wurde damit auch die Karikatur globalisiert, sie wurde zu einem globalen Thema, sie wird öffentlich und überall diskutiert. Zwar gab es zuvor auch andere Karikaturen, die global bekannt wurden, aber ein solches Ausmass haben zuvor mit Sicherheit noch nicht viele Karikaturen erreicht.

Um noch einmal auf das Magazin zurück zu kommen: Das Magazin veröffentlichte einen Comic der Künstlerin Parsua Bashi, den sie bereits vor Monaten und deshalb unabhängig von der aktuellen Debatte erstellt haben soll. In diesem zeigt sie auf, dass der Westen durchaus nicht ganz ohne Tabus ist, durchaus nicht ganz so unverfroren ist, wie sie sich gibt. Gerade weil sie in diesem Auszug die Religion nicht anspricht, ist dieser Comic äusserst interessant. Sie provoziert nicht mit Religion, sondern mit Mode. Ihre Hauptfigur, die wie sie selber eine aus dem Iran stammende Künstlerin ist, provoziert eine Schweizerin mit mehreren Modestrecken, die unter anderem "Sweet Slaves" und "Hot 9/11" heissen. Sie zeigt damit, dass es eben auch für uns Grenzen gibt, ja sogar Tabus gibt, die - wie sie es treffend ausdückt, "von den Leuten selbst zensiert werden". Gerade "Hot 9/11" wird das provozierendste Beispiel dafür sein. Mode, die Hot 9/11 genannt wird? Sie stellt dies dem im Westen verharmlosten Kolonialismus gegenüber, in dem sie ein Beispiel in einer Modezeitschrift aufgreift, das ein Mode-Artikel mit dem Namen "Colonial-Girl" zeigt. Genauso wie durch die Attentate des nine-eleven viele Menschen starben, gab es sehr viele Opfer durch den westlich veranlasten Kolonialismus. Wenn ich mir da einen persönlichen Kommenar erlauben darf, dann würde ich sagen, dass die Opfer des Kolonialismus sogar weitaus zahlreicher waren.
Sie stellt sich auch gleich die unweigerlich aufkeimende Frage: "Wie kann man frei sein... und über bestimmte Themen trotzdem nicht reden? Und was bedeutet das für die Meinungsfreiheit"?

Ich sage es noch einmal: Die Grenzen der Meinungsfreiheit müssen international diskutiert werden.

PS: Das Buch von Parsua Bashi werde ich kaufen, so bald es auf dem Markt ist... vielleicht kann mir nja helfen, die Wartezeit zu verkürzen?
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Coretta Scott King ist tot

Coretta Scott King, die Witwe des 1968 ermordeten Friendsnobelpreisträgers Dr. Martin Luther King jr. ist am letzten Montag 78-jährig gestorben. Wie ihr Mann hat Corretta King ihr Leben lang der Bürgerrechtsbewegung gewidmet, um die Diskriminierung gegen die schwarze Bevölkerung, die bis heute andauert, aufzuheben.

Ein sehr langer Artikel mit sehr ähnlicher Thematik ist in Vorbereitung.

via Weblog Menschenrechte und einigen Zeitungsberichten.
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Swisscom-Aktien verschenken?

Christoph Blocher zeigt sich für einmal als SVP-Hardliner grosszügig zum Volk. Ja, zum Volk, ohne Ausnahme, sowohl die Reichen als auch die Armen. Gerade die letztere Zielgruppe ist für Bundesrat Blocher, selbst Multimilliardär, ein Novum. Warum sollte man denn plötzlich Aktien der Swisscom verschenken? Das sei doch nur richtig, sagt Blocher gegenüber der Sonntagszeitung, hätten wir doch ohnehin jahrelang mit der Swisscom viel zu teuer telefoniert.

Wie bitte? Blocher will uns das Geld, das die Swisscom durch ihre Monopolstellung zu viel abknöpfte, zurückzahlen? Dass ich nicht lache! Das ist für mich billigster Populismus - wenn er sich da wenigstens der ehemalige republikanische US-Präsident Ronald Reagan zum Vorbild genommen hätte! Reagan hatte seinerzeit ebenfalls "Steuern verschenkt", er versprach, jedem Amerikaner Dollars zu schenken. Aber seine Argumentation war relativ einleuchtend: Er wollte damit die Kauflust des Volkes anregen - und die angeschlagene Wirtschaft wieder ankurbeln.

Natürlich, Geld kann auch ich brauchen. Aber wenn ich langfristig denke, dann will ich eigentlich lieber, dass dieses Geld zum Abbau von Staatsschulden beiträgt und nicht meine eigene Kasse verbessert. Wenn ich mich recht erinnere, war es gerade (auch, nicht nur) die SVP, die die Öffnung der letzten Meile verhinderte oder verzögerte. Da ist es nur zynisch, wenn ein SVP-Hardliner dem Volk die Mehrkosten durch das Monopol der Swisscom zurückzahlen will.
Denn wenn ich so in den Staat investiere, erhoffe ich mir auch, dass die Wirtschaft sich bessern kann, da mit der geringeren Schuldlast auch die Steuerzinsen verhältnismässig - und fair an alle verteilt - gesenkt werden kann. So kommt mir und der Wirtschaft das Geld indirekt ebenfalls zu Gute, mit dem Nebeneffekt, dass das Geld fair verteilt wird.

Last but not least: Gemäss der Sonntagszeitung soll die Giesskanne etwas mehr als Fr. 1000.-- ausgiessen. Aber ich habe nicht den Eindruck, dass dieses Geld mich auch nur annähernd für die Monopolmehrkosten entschädigen wird.

(via Side Effects)
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Mövenpick diskriminiert Rollstuhlfahrer

Wie 20Minuten berichtete, wurde ein Rollstuhlfahrer aus angeblichen Sicherheitsgründen diskriminiert. Für mich ist es absolut keine Frage, wenn ein Sicherheitsmann einen Rollstuhlfahrer einfach von sich aus wegfährt. Darüber kann auch die Tatsache nicht hinwegtäuschen, dass der Security-Angestellte den Rollstuhlfahrer anwies, an eine Stelle im Eingangsbereich zu fahren. Als daraufhin der Angewiesene antwortete, dass er auf sich selber aufpassen könne, fuhr der Sicherheitsmann ihn einfach weg.

Mövenpick soll den Vorfall so kommentiert haben:
Mövenpick-Sprecherin Florence Mayor bestätigt den Vorfall, bestreitet aber, dass man den Rollstuhlfahrer habe diskriminieren wollen. «Es ist bedauerlich, dass wir uns mit ihm nicht auf eine Lösung einigen konnten.»
Aus der PR-Sicht ist das sicher keine schlechte Antwort, sie ist aber auch nicht besonders originell, sondern Standard und würde zu fast allen Konflikten passen. Aber ich hoffe, die Leser merken auch, dass man in Sachen Diskriminierung keine Kompromisse machen kann. Man muss sich vielleicht die Situation vorstellen, ein nicht-behinderter wäre nach einer solchen Antwort "ich kann schon auf mich aufpassen" einfach davongetragen worden. Wie würde das von den Kunden - auch der Rollstuhlfahrer ist einer (!) - empfunden? Rollstuhlfahrer brauchen keinen speziellen Aufpasser, der ihnen sagt, was sie aus Sicherheitsgründen tun dürfen oder nicht.
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Bushs Lauschangriff auf US-Bürger ist rechtswidrig

Wie die renommierte Zeitung Washington Post berichtete, ist gemäss Kongress-Experten der USA der Lauschangriff, der das Anzapfen von Emails sowie das Abhören von Telefonaten umfasst, rechtswidrig. Leider ist dieser Artikel nur gegen eine Gebühr erhältlich. Auch news.ch hat darüber berichtet. Wer einen Artikel aus einer amerikanischen Zeitung lesen will, der findet einen englischen Artikel online bei der Salt Lake Tribune.

Experten zufolge sollen die Argumente Bushs, die das "Spying" rechtfertigen sollten, auf schwachen Füssen stehen. Bush hat diese Eingriffe der National Security Agency (NSA) genehmigt, wie er Mitte Dezember 2006 zugab. Bush behauptet, diese Verletzungen der Fernmeldegeheimnisse seien lediglich gegen Personen mit Verdacht auf Verbindungen zur Al-Qaida erfolgt und soll ausschliesslich die Idee verfolgt haben, Menschenleben zu schützen.

Das ist nun für Bush dumm gelaufen, doch es hätte auch anders herauskommen können. Aber meiner Meinung nach musste klar sein, dass Bushs langjährige Verängstigung der eigenen Bevölkerung nicht auf Jahre hinweg funktionieren kann, wenn immer öfter Ungereimheiten auftauchen. Da wären Bushs Inszenierungen, die er bereits kurz nach dem Krieg im Irak auf einem Kriegsschiff plump in einem Pilotenanzug salutierte oder in New Orleans, wo er ebenfalls zur Inszenierung mit einigen kurz aufgestellten und schauspielernden "Helfern" publicity-trächtig zu witzeln versuchte. Dies hat seiner Glaubwürdigkeit geschadet, indes ist der Irakkrieg mittlerweile wohl zu seiner grössten Hypothek geworden. Mit fadenscheinigen Argumenten und angeblichen Fehlinformationen durch die Central Intelligence Agency (CIA), hatte er sowohl Afghanistan als auch den Irak angegriffen. Wer in einer Demokratie so viele zwielichtige Aktionen auf dem Kerbholz hat, kann kaum mehr auf Grosszügigkeit der eigenen Bevölkerung hoffen, wenn er in ihren Freiheitsrechten, die ihnen sehr nahe gehen, einschränkt.

Zudem hat Bush das "Pech", dass gerade in den letzten Tagen seine eigene Partei, die republikanische Partei, unter schwerem Beschuss steht. Der prominente republikanische Lobbyist Jack Abramoff hat sich vor wenigen Tagen für schuldig erklärt, Steuerhinterziehung und Betrug begangen zu haben. Damit belastet Abramoff seine eigene Partei just elf Monate vor den Neuwahlen des Kongesses schwer. Bush hat damit als Republikaner, der in seiner zweiten Amtszeit seiner republikanischen Partei helfen und sich so einen Namen über die Präsidentschaft hinaus verschaffen will, gegenwärtig sehr schwer. Seine Popularitätswerte waren früher ausch schon besser, ebenso seine Glaubwürdigkeit. Vermutlich wird er deshalb eher als ein sehr umstrittener und einer der eher unpopulären Präsidenten in die Geschichte eingehen.

Zum Glück sind Richter der Vereinigten Staaten politisch relativ unabhängig und mächtig. So haben sie Bush schon ein paar mal eine kräftige Ohrfeige gegeben. Beispielsweise hat das Supreme Court verfügt, dass die Gefangenen Guantanamos der US-Gerichtsbarkeit unterliegen. Auch im vorliegendem Fall stehen die Chancen vermutlich nicht schlecht, dass der Supreme Court von Bush unabhängig agieren und ihm eine erneute Ohrfeige geben wird, sollte es bezüglich diesen Lauschangriffen eine entsprechende Klage geben.
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Kommunikation zur Vogelgrippe

Ich bin kein Experte in Sachen Pandemie und schon gar nicht ein Experte der Medizin. Wie auch immer die Gefahr einer Pandemie durch ein Vogelgrippe-Derivat (H5N1) nun wirklich ist, eines beunruhigt mich dann doch: die Kommunikation der Ärzte, Pharmaindustrie und des Bundesamtes für Gesundheit darüber.

Einmal heisst es, die Gefahr, dass die Schweiz von einer Vogelgrippe erfasst werde, sei "momentan äusserst gering" um im selben Atemzug gleich auch zu sagen, dass die Frage nicht sei, "ob, sondern nur wann". Einige Tage später heisst es dann wieder, man habe zu wenig Geld, um genug Medikamente an Lager zu haben. Nur eine weitere Woche später betont der Direktor des Bundesamts für Gesundheit, Thomas Zeltner, dass man "garantiert genügend Medikamente" habe.

Da ist aber nicht nur das Bundesamt für Gesundheit, das etwas zu sagen hat, sondern auch einige Medizinprofessoren. Diese Professoren mögen wohl profunde Auskunfte gegeben haben, aber sie waren wohl leider nicht auf das BAG abgestimmt; so kam es zu Widersprüchen, wodruch die Aufregung in den Medien weiter angestossen wurde.  Zu guter Letzt sprechen auch einige Leute aus der Pharmaindustrie mit, die natürlich ihr Interesse daran haben, dass ein bisschen Unruhe herrscht - man will ja Medikamente verkaufen.

Immerhin: Thomas Zeltner hat eingestanden, Fehler in der Kommunikation gemacht zu haben. Tröstlich, aber ein schaler Nachgeschmack bleibt.
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Miller aus Beugehaft entlassen

Die US-Journalistin ist nach knapp drei Monaten Haft aus der Beugehaft entlassen worden, nachdem sie sich entschloss, vor dem Grand Jury auszusagen.
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Pendlerblog

In letzter Zeit ist mir vor allem ein Blog mit regelmässig interessanten und amüsanten Beiträgen aufgefallen:  Pendlerblog. Pendlerblog hat zum Ziel, Artikel aus der meistgelesenen (gratis-)Zeitung der Schweiz, "20 Minuten", zu kommentieren. Mitunter sind da nicht nur trockene Kritik zu lesen, sondern auch amüsante Kommentare über die oft ebenso erstaunlichen und witzigen Artikel selber.

Wer mich noch vor einigen Wochen gefragt hätte, ob denn ein Blog über eine einzelne Zeitung eine Chance hätte, dann hätte ich ihm gesagt: kaum, höchstens für ein spezielles Publikum, das so was mag, aber das dürften nur wenige sein. Doch ich bin da eines anderen belehrt worden, denn mir wäre "20 Minuten" als ein eher unbedeutendes - und doch alltägliches (und damit durchaus bedeutendem) Blatt, das man überall, in jedem öffentlichem Verkehrsmittel findet - nie in den Sinn gekommen. Die Alltäglichkeit von "20 Minuten" ist mittlerweile so gross, dass es sich offenbar sogar lohnt, über Missgriffe in Artikeln des Blatts zu berichten - das belegen jedenfalls die Zahlen von blogbox.ch.

Für erwähnenswert halte ich auch den doch recht kreativen Werbeslogan von Pendlerblog: "Erklärte 20-Minuten-Fans erklären 20 Minuten". Dies erinnert mich irgendwie an Tautologien wie zum Beispiel GNU, das für die Abkürzung "Gnu is not Unix" steht.
Ich bin jedenfalls von diesem Blog fasziniert und finde, er hat einen Link in meinem Blogroll redlich verdient!
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Der Alchimist

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Der Alchimist machte Paulo Coelho weltbekannt. Dies ist eigentlich eher überraschend. Einerseits ist es erstaunlich, dass ein mit so einfachen Worten und Sätzen geschriebenes Buch zum Weltbestseller wird. Andererseits sind durchaus Parallelen wie zum Beispiel zum Roman Sophies Welt (1993) von Jostein Gaarder erkennbar. Letzterer Roman wurde ebenfalls zu einem Weltbestseller, mit einer ähnlich einfachen Sprache und vor allem mit dem Streifzug durch die Geschichte der Philosophie. Der Alchimist ist zwar kein Philosophielehrbuch wie Sophies Welt, doch in Coelhos Roman wird eine Lebensphilosophie durch die Figur von Santiago, einem andalusischen Hirten, vorgelebt. Hier soll nicht näher auf diese Philosophie eingegangen werden, denn gerade die Entdeckung und das gelesene Erlebnis, wie die Philosophie zu verstehen ist, macht das Buch aus.

Die Wahl des Berufs der Hauptfigur, hat eine verblüffende Wirkung in Bezug auf die Sprache. Die sehr einfach gehaltene Sprache erfährt so fast eine gewisse Logik und wirkt dadurch nicht wie ein Kinderbuch.
Der Alchimist ist aber nicht ganz frei von intellektuellen Ansprüchen, wie sie der Roman mit der einfachen Sprache und dem Hirtenberuf vorgibt. Einerseits regt das Buch gerade durch den Lebensweg von Santiago stark zum eigenem Nachdenken zum eigenem Leben an. Andererseits wird dezent einen Kulturkonflikt zwischen dem Christentum und dem Islam thematisiert, ohne dass dieses Thema je in dem Mittelpunkt rückt. Doch gerade diese Beiläufigkeit erhält eine gewisse Bedeutung insofern, als dass durch das Einleben des Hirten im arabischem Raum - und das obwohl er durchaus nicht ganz frei von Vorurteilen war - die Toleranz zu anderen Menschen aus anderen Kulturen vorlebt. Es mag gut sein, dass dieser 1988 erschienene Roman ebenfalls durch diesen Aspekt eine gewisse Brisanz und Verbreitung gewonnen hat.
Mir fielen ferner biblische Andeutungen auf. Santiago hat Träume, denen er folgt; während seinem Lebensweg wird er durch verschiedene Begegnungen auf eine Art und Weise weiser, er erlebt Siege und Niederlagen. Zudem ist ja gerade der Hirtenberuf ein Beruf, der in der christlichen Theologie eine wichtige Rolle spielt, und nicht zuletzt kann man durchaus mit dem Ende ein gewisses christliches Symbol erkennen.

Der Alchimist ist ein sehr angenehm und schön zu lesender Roman, der zur Bettlektüre eignet, doch ich möchte davor warnen, den Roman allzu leicht und schnell zu lesen, denn der Roman lässt einen unheimlich grossen Interpretationsspielraum zu, so dass man praktisch beliebig philosophieren kann. Wer sich die Zeit zum Nachdenken nimmt, der erhält eine grossartige Inspirationsquelle zum Nachdenken über sein eigenes Leben.
Wikipedia.de kritisiert, dass die Bücher von Coelho unter anderem "zu simpel oder esoterische Selbsthilfe-Literatur" seien. Selbstverständlich bin ich immer für jede Kritik an Kunst zu haben, doch meiner Meinung nach geht diese Einschätzung zu weit, in dem offenbar im Vorneherein die einfache Sprache und der grosse Interpretationsspielraum abgelehnt wird. Kritisch dagegen möchte ich sein, wenn Kritiker die interkulturelle Beziehungen hervorheben und loben. Wie ich oben schon erwähnte, hat das Buch für mich hierfür zwar ebenfalls ein Lob erhalten, doch ich möchte nicht so weit gehen, zu sagen, dass das Buch vor allem einen solchen Wert erhalten hat, wie viele Kritiker betonen. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass christlich geprägte Symbole relativ stark im Vordergrund stehen, jedenfalls haben sie ein stärkeres Gewicht als die islamischen erhalten. Zudem werden gewisse Dinge aus dem Islam meines Erachtens doch stark vereinfacht.

Der Alchimist weist gewisse autobiografische Züge Coelhos auf. Coelho wurde 1947 in Rio de Janeiro geboren. Von seinen Eltern in die Jesuitenschule geschickt, fühlt er sich bald stark von der Religion eingeengt und will schon früh Schriftsteller werden. Diesen Weg schlägt er zunächst nicht ein; seine Eltern versuchen ihn gar mit Hilfe von dreimaligen Einweisungen in die psychriatrische Klinik und dort applizierten Elektroschocks von seinem Willen, Schriftsteller zu werden, abzubringen. 1970 bricht er sein Studium in Rechtswissenschaften ab, 1974 kommt er wegen seiner politischen Meinung für kurze Zeit ins Gefängnis, wo er nur dadurch aus dem Gefängnis kommt, in dem er darauf hinweist, dass er dreimal in einer psychriatrischen Klinik gewesen sei. 1986 begibt er sich auf die Pilgerreise nach Spanien Santiago de Compostela. Ein Jahr später, 1987, schreibt er sein erstes Buch Auf dem Jakobsweg. 1988 schreibt er Der Alchimist. Dem Roman war zunächst kein Erfolg beschieden, doch nach einem Verlagswechsel erlangt Coelho sukzessive Weltruhm. Der Alchimist wurde in 57 Sprachen übersetzt.
Coelho erhielt mehrere Auszeichnungen für diesen Roman, unter anderem 2001 den prestigeträchtigen Kulturpreis BAMBI.
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